Von Gerry Dressler – Gründer von Flugsimulation-VFR (Schweiz)
Ich sitze also im Cockpit, schaue geradeaus auf die Landstraße, halte den Kurs –
und trotzdem rückt der See langsam von links nach rechts.
Ich sag noch:
„Also entweder fliegt das Flugzeug schief…
oder die Erde dreht sich heimlich schneller.“
Möbi schaut über die Instrumente, schiebt die Brille auf der Nase nach oben und meint nur:
„Korrelation zwischen Blickrichtung und tatsächlicher Bewegung: nicht synonym.“
Und dann erklärt er mir das mit so ruhigem Ton, dass man denkt, die Luft um uns herum hörte zu:
Das Flugzeug fliegt immer dahin, wo die Nase hinzeigt – das ist die Heading.
Aber der Weg über den Boden, auf dem du tatsächlich vorankommst, das ist der Track.
Wenn der Wind dich von der Seite schiebt,
dann zeigt die Nase irgendwohin,
du landest aber ein Stück daneben.
Das nennen die Profis Drift – und ja, das passiert auch im Simulator.
Möbi malt eine Linie auf die Windrose:
„Wenn du nichts dagegen tust, schiebt der Wind dich seitlich.
Mit anderen Worten: Du musst deine Nase leicht in den Wind drehen – sonst wirst du weiter seitlich getragen als beabsichtigt.“
Ich guck raus, der Wind pfeift, und ich denk:
„Also fliege ich absichtlich schief, damit ich gerade ankomme?“
Möbi nickt nur und sagt:
„Ganz genau. Das nennt man Crabben.
Sieht komisch aus – ist aber korrekt.“
Ich stelle das gleich im Simulator nach:
Ein bisschen Seitenwind, eine schöne lange Gerade (zum Beispiel ein Seeufer oder eine Bahnlinie),
die Nase leicht gegen den Wind, und plötzlich bleibt die Landschaft unter mir gerade.
Sieht falsch aus – funktioniert aber.
Und was ich heute wieder einmal gelernt habe:
Man kann die Nase nach Norden richten,
man kann auf den Kompass schauen,
aber wenn der Wind von der Seite kommt,
dann bestimmt er mit, wo du wirklich ankommst.
Möbi nennt das Aerodynamik.
Ich nenne es Wind, der Ahnung hat.
✈️ Winnie out

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